Freiwilliger_Helmut Pucher mit NPH-Kindern in Honduras

Weltalphabetisierungstag: Helmut Pucher aus Kärnten ist für NPH Österreich als Englischlehrer in Honduras tätig

Wien/Honduras, 29. August 2016 … Der 31-jährige Helmut Pucher aus Mittertrixen ist seit Ende Juni 2016 für NPH Österreich (Nuestros Pequeños Hermanos = Unsere kleinen Brüder und Schwestern) im NPH-Kinderdorf in Honduras als Englischlehrer im Einsatz. Im Interview gibt der Kärntner Volontär Einblick in den Schulalltag im Kinderdorf und schildert seine Eindrücke des NPH-Schulprogramms.

 

Helmut, was hat dich dazu bewogen, als Freiwilliger bei NPH in Honduras zu arbeiten?

Hier habe ich die Möglichkeit, Straßen- und Waisenkindern, um die sich sonst niemand kümmert, eine Chance zu geben. Mich faszinieren die Weisheiten von Mahatma Gandhi: „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“ und „Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen.“ Ich habe ja im Jänner 2016 meine Extremradreise in Patagonien gestartet, die ich nach meinem Sozialjahr bei NPH von Peru bis nach Alaska weiterführen werde. Mein Ziel während der gesamten Radtour ist es, auf die unterstützungsbedürftigen Randgruppen der Gesellschaft, also auf die NPH-Kinder in Lateinamerika, aufmerksam zu machen. Ich nutze mein Jahr in Honduras auch dafür, eine Dokumentation mit und über die Kinder zu drehen und bei meinen Vorträgen in den USA, Kanada und Europa einzubauen, um NPH bekannter zu machen und Spenden zu sammeln.

Freiwilliger_Helmut Pucher mit NPH-Kindern in Honduras
Der Extremradfahrer Helmut Pucher aus Kärnten freut sich, bei NPH Honduras Waisen und in Not geratenen Kindern Englisch beizubringen. © NPH

 

Wie erlebst du als Lehrer den Schulalltag bei NPH Honduras?

Grundsätzlich ist der Ablauf wie in jeder anderen Schule. Ich unterrichte täglich drei Klassen, Buben und Mädchen sind gemischt. Die Schule beginnt um 07:30. In den Pausen spielen die Kinder oft Ballspiele im Schulhof. Die Tías und Tíos, also die Betreuerinnen und Betreuer, helfen den Kindern nachmittags bei den Hausaufgaben. Für Kinder, die mehr Unterstützung brauchen, steht ein Nachhilfelehrer zur Verfügung. Alle Lehrerinnen und Lehrer bei NPH sind sehr engagiert. Es gibt auch spezielle Projekte wie „Chicas Poderosas“ (= starke Mädchen), in dem versucht wird, das Selbstwertgefühl der Mädchen zu stärken. Die älteren Kinder werden auch in handwerklichen Fächern in den NPH-eigenen Lehrwerkstätten unterrichtet.

 

Was ist für dich besonders am NPH-Schulprogramm?

Egal ob in den Hogars, also den Wohnhäusern, in der Schule oder in der Freizeit, die Kinder sind praktisch ununterbrochen zusammen. Das ist förderlich für die Gruppendynamik in der Schule, denn die Kinder kennen sich in- und auswendig, es gibt keine Geheimnisse und sie teilen alles untereinander. Sie lernen oft gemeinsam und so profitieren die jüngeren Kinder von den älteren. Sie verblüffen mich oft mit Antworten, die ich nicht von ihnen erwartet hätte.

 

Warum ist deiner Meinung nach gerade für Waisen und benachteiligte Kinder Schulbildung so wichtig?

Die meisten Kinder kommen zu NPH, ohne jemals die Aufmerksamkeit von Erwachsenen bekommen zu haben. Das Gefühl von Eigenverantwortung ist kaum bis gar nicht vorhanden. Oft leben die Kinder auf der Straße und es fehlen soziale Kontakte und ein geregelter Tagesablauf. In der Schule haben die Kinder wieder eine Struktur und eine Routine, die ihnen Sicherheit gibt. Vielen Kindern fehlt auch nach zwei, drei Jahren bei NPH noch der Bezug zum Lernen. In erster Linie geht es darum, sie fit für den Alltag zu machen und ihnen ein positives Lebensgefühl mit auf ihren weiteren Weg zu geben. Ergreifen die Kinder dann letztlich die Chancen, die NPH ihnen bietet, eröffnen sich ihnen später auch beruflich viele Möglichkeiten.

 

Was für Gefahren gibt es in Honduras für Kinder, die niemanden haben, der sich um sie kümmert?

Diese Kinder rutschen früher oder später leider in die Kriminalität ab, um ihren Unterhalt zu verdienen. Meistens beginnt es mit kleineren Diebstählen und Delikten, oft auch um die Familie mitzuversorgen. In der Regel kommen die Straßenkinder dann sehr schnell mit Bandenstrukturen in Kontakt und werden dann Teil einer Gruppierung.

 

Was hat dich als Lehrer im Kinderdorf bisher besonders bewegt?

Die Kinder suchen den ständigen Kontakt mit dem Lehrer und man benötigt sehr viel Feingefühl und Geduld im Umgang mit ihnen. Ich sehe es als Herausforderung, das selbstständige Denken der Kids zu fördern. Auch wenn der Unterricht manchmal anstrengend ist, gibt es nichts Schöneres als das Lachen und Strahlen der Kinder, mit dem sie mich für meine Mühsal entschädigen. Was ich hier jeden Tag wieder aufs Neue lerne, ist, dass es im Grunde nicht viel bedarf, um die Welt ein kleines Stück weit zu verändern.

Ein Mädchen in der NPH-Schule in Honduras
NPH Honduras schenkt Zukunft durch Schulbildung © NPH

 

Was wird im NPH-Kinderdorf an Schulmaterialien und Ausstattung benötigt und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Die Kinder besitzen die nötigen Bücher und Lernunterlagen. Bleistifte, Kulis und Schulhefte sind immer sehr begehrt. Schreiben und Malen wirkt sich beruhigend auf die Kinder aus. Sie lieben es, ein Arbeitsblatt auszufüllen und anzumalen. Es ist total schön mitanzusehen, wie konzentriert sie arbeiten können und wie stolz sie sind, wenn sie ihr fertiges Werk in Händen halten. Vereinzelt besitzen die Kinder auch Schultaschen, der Großteil hat die Schulbücher aber in der Hand. Die Klassenzimmer sind einfacher ausgestattet als bei uns, meistens ohne Computer oder Projektor. Es gibt aber einen Computerraum, wo der Informatikunterricht stattfindet. Toll wär es, wenn die Kinder noch mehr Eindrücke außerhalb des Kinderdorfes sammeln bzw. aus einem breiteren Angebot auch innerhalb des Kinderdorfs wählen könnten. Dazu sind wir auf zusätzliche Spenden angewiesen.

 

Multimediamaterial:

Foto 1: Freiwilliger Helmut Pucher mit NPH-Kindern in Honduras
Foto 2: Schulmädchen bei NPH Honduras

Weiterführende Informationen: Weltalphabetisierungstag – NPH sichert über 550 Kindern in Honduras eine solide Ausbildung

Über Helmut Pucher:

Der österreichische Extremradfahrer Helmut Pucher startete im Jänner 2016 seine Radexpedition von der Südspitze Lateinamerikas bis nach Alaska. Ab Juni 2016 ist er für ein Jahr als Englischlehrer bei NPH Honduras tätig, bevor er seine Radreise fortsetzt. Zweck der Reise ist die Unterstützung und öffentliche Wahrnehmung der Organisation NPH – Nuestros Pequeños Hermanos in Zentralamerika, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt.
Mehr Informationen: www.panam-rouleur.comwww.panam-rouleur.com

 

Über das NPH-Kinderdorf in Honduras:

Seit 1985 ist das internationale Kinderhilfswerk NPH in Honduras tätig. Derzeit leben 560 Waisen und in Not geratene Kinder bei NPH Honduras. NPH ermöglicht ihnen eine solide Ausbildung für eine aussichtsreiche Zukunft. Das Kinderdorf verfügt unter anderem über einen Kindergarten, eine Volks- und Mittelschule, Lehrwerkstätten, Krankenstationen, ein Operationszentrum und eine eigene Landwirtschaft. Das Schuljahr dauert von Februar bis November. Studentinnen und Studenten sowie Oberstufenschülerinnen und –schüler leben in NPH-Wohnhäusern in der Hauptstadt Tegucigalpa.
Mehr Informationen: www.nph.at/honduras

 

Über NPH Österreich:

Das internationale Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos, dt. unsere kleinen Brüder und Schwestern) sorgt für Waisen und in Not geratene Kinder in neun Ländern Lateinamerikas. Seit der Gründung 1954 sind mehr als 18.000 Kinder in den NPH-Kinderdörfern aufgewachsen, Spenden und Patenschaften sichern ihre Betreuung und Ausbildung. NPH Österreich ist mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet, Spenden sind von der Steuer absetzbar.
Mehr Informationen: www.nph.at

Spendenkonto: Erste Bank, IBAN: AT85 2011 1822 4309 5500, BIC: GIBAATWWXXX
Online-Spendenshop: www.nph.at/spendenshop

 

Rückfragehinweis:

Mag. Marlene Binder | Communications Manager
NPH Österreich – Hilfe für Waisenkinder
Zollergasse 37/5 | 1070 Wien
Telefon: +43 699 173 14 978
marlene.binder@nph.at | www.nph.at

 

 

 

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