Sebastién findet ein Zuhause im Kinderkrankenhaus in Haiti

Hänsel und Gretel in Haiti: Der kleine Sébastien findet Zuflucht im “Fisch-Zimmer”

Unser Kinderkrankenhaus St. Damien in Haiti spielt eine wichtige Rolle für Kinder, die von ihren verzweifelten Eltern verlassen werden. Es ist ein Zufluchtsort für „vergessene Fälle“. Wir schenken den Kindern gute Behandlung und liebevolle Pflege sowie ein vorläufiges Zuhause im „Fisch-Zimmer“, dem Raum für verlassene Kinder.

Sebastién findet ein Zuhause im Kinderkrankenhaus in Haiti
Sébastien lebt momentan im "Fisch-Zimmer".

Dieser Freitag im März hätte für Sébastien ein ganz normaler Tag sein sollen: Seine Mutter bringt ihn zu einer Untersuchung in unser NPH-Kinderkrankenhaus St. Damien. Als die Ärztin feststellt, dass es Sébastien nicht gut geht, wird er stationär aufgenommen. Er fiebert und ist dehydriert.

Seine Mutter bringt ihm mit einem Taxi zu uns. Die Taxifahrt kostet sie das Vierfache des Mindestlohns, damals etwa 500 haitianische Gourdes (11 US-Dollar). Unser Team weiß wenig über Sébastien, nur dass er 2018
geboren wurde. Seine Mutter nennt sich unseren Mitarbeitern gegenüber Laurette und gibt an, Süßigkeiten zu verkaufen. Sie lebt, gemeinsam mit einem Mann namens Junior, in einer Hütte aus Pappe und Stoffbahnen in einem der Slums von Port-au-Prince, in Simon Pelé.

Simon Pelé hat 30.000 Einwohner, von denen viele arbeitslos sind. Der Stadtteil wird von Bandenkriegen geplagt, es gibt kaum öffentliche Infrastruktur, mit wenig oder gar keinem Zugang zu Trinkwasser oder Elektrizität. Den Bewohnern von Simon Pelé fehlt es an allem, es gibt keine Arbeit, sie können sich nicht richtig ernähren. Für einen großen Teil der haitianischen Bevölkerung ist dies eine No-Go-Area.

Drei Tage und Nächte wacht die Mutter neben dem Buben, hält seine kleine Hand, redet ihm leise zu. Am vierten Tag verschwindet sie, still und schweigsam, so wie sie gekommen ist. Zwei Mitarbeiter machen sich sofort auf die Suche nach ihr, doch sie bleibt verschwunden, bis heute.

Laut dem Leiter des Sozialdienstes des St. Damien Hospitals, Herby Estime, kann das Krankenhaus den Angaben von Eltern, die ihre Kinder später aussetzen, nicht trauen. “Sie sind fast immer falsch oder fehlerhaft, sei es ihr Name, ihre Adresse oder ihre Telefonnummer. Im Fall von Sébastien gab die Mutter an, in Simon Pelé in Cité Soleil zu wohnen, allerdings ohne feste Adresse. Die geschätzte Einwohnerzahl von Cité Soleil beträgt 400.000, so dass es fast unmöglich ist, sie ausfindig zu machen.”.

Sebastien aus Haiti, Fishroom im Kinderkrankenhaus St. Damien
Sébastien hat die Chance auf ein neues Leben.

Wir sind jetzt seine Familie

Sébastiens traurige Geschichte erinnert uns sehr an Hänsel und Gretel, das Märchen der Gebrüder Grimm: Die beiden Kinder eines armen Holzfällers werden im Wald ausgesetzt, denn die Eltern können nicht mehr für sie sorgen. Ähnlich verzweifelt muss Sébastiens Mutter Laurette gewesen sein, als sie ihren Sohn bei uns zurückließ. Bei uns geht es meinem Kind gut, wird sie gespürt haben, da hat er die Chance auf ein neues Leben.

Seit seine Mutter verschwunden ist, lebt Sébastien im „Fisch-Zimmer“, dem Raum für verlassene Kinder, es ist sein vorläufiges Zuhause. Wenn unser Team weder seine Mutter noch andere Verwandte von ihm finden kann, wird er wohl bald in unser Babyhaus St. Anne übersiedeln und dort mit anderen Kleinen aufwachsen. Alle Kinder, die zurückgelassen werden, werden von unseren Ärztinnen untersucht und behandelt – so auch Sébastien. Wir kümmern uns um den kranken Buben, wir pflegen und wir lieben ihn – denn wir sind jetzt seine Familie.

Im Inneren des “Fisch-Zimmers”:

  • Das “Fisch-Zimmer” (früher “das verlassene Zimmer” genannt) hat 12 Betten für Kinder, die meist schwer krank sind.
  • Die meisten von ihnen sind zwischen 5 und 13 Jahre alt, die Betten sind in der Regel voll belegt.
  • Derzeit werden weitere sechs verlassene Kinder in anderen Stationen behandelt, weil das “Fisch-Zimmer” an der Kapazitätsgrenze ist.
  • Allein im Jahr 2020 wurden in St. Damien sechs verlassene Kinder aufgenommen.
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Alle Kinder, die zurückgelassen werden, werden von uns untersucht, behandelt und gepflegt.

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