Fast 4 Millionen Kinder ohne Grundschulbildung

Eines der wichtigsten Ziele der UN-Millenniumskampagne war die Forderung nach Grundschulbildung für alle Kinder bis zum Jahr 2015.

In den letzten 15 Jahren gab es in zahlreichen Ländern enorme Fortschritte, das Gesamtziel wurde aber nicht erreicht. Laut UNESCO gehen weltweit 58 Millionen Kinder und 63 Millionen Jugendliche nicht zur Schule, fast vier Millionen davon in Lateinamerika. Analphabetismus ist in den lateinamerikanischen Ländern ein großes soziales Problem, mit gravierenden Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung der Länder. Weil das Millenniumsziel nicht erreicht wurde, ist die Forderung nach besseren Bildungsmöglichkeiten auch in den Sustainable Development Goals enthalten, die im September auf dem UN-Gipfeltreffen in New York verabschiedet werden.

Ungleichheit im Bildungszugang: Es trifft die Ärmsten der Armen

Kinder aus armen Familien sind am stärksten benachteiligt. Sie gehen viermal häufiger nicht zur Schule als Kinder aus reichen Familien und brechen fünfmal häufiger die Grundschule ab. Sie werden nie lesen, schreiben oder rechnen lernen.

Wolfgang Martinek, Geschäftsführer des lateinamerikanischen Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos) in Österreich: “Der armutsbedingte Analphabetismus in Lateinamerika verwehrt den Kindern die Teilnahme am öffentlichen Leben. Analphabetismus zementiert den Teufelskreis der Armut, denn die Kinder landen oft in schlecht bezahlten Jobs von unter 1,80 Euro pro Tag; eine ausweglose Situation, die für den einzelnen nicht zu ändern ist.” Martinek fordert: “Die lateinamerikanischen Staaten müssen mehr in die Ausbildung ihrer Lehrkräfte investieren und sie vernünftig bezahlen. Arme Familien müssen durch kostenlose Schuluniformen und -materialien unterstützt werden – so wie NPH das bereits seit Jahrzehnten in neun lateinamerikanischen Ländern macht.”

Niedrige Bildungsausgaben resultieren in katastrophaler Grundschul-Infrastruktur – vor allem im ländlichen Bereich

 

Markus Streit, internationales pädagogisches Team NPH: “Die Bildungsausgaben in Lateinamerika sind sehr niedrig. Bildung, vor allem in ländlichen Gegenden, hat für die politisch Verantwortlichen nur geringe Priorität. Das schwache Steueraufkommen trägt erschwerend bei. Die Folgen: große Klassen, schlecht ausgestattete Schulen, schlecht bezahlte Lehrkräfte und aufgrund von Streiks fallen viele Schultage aus.”

Mehr als ein Drittel (35 %) der lateinamerikanischen Bevölkerung lebt in ländlichen Gegenden. Dort ist der Schulbesuch zusätzlich von landwirtschaftlichen Notwendigkeiten geprägt. Markus Streit: “Wenn gerade gesät werden muss, helfen die Kinder und Jugendlichen auf dem Feld, um das Überleben der Familie zu sichern. Der Schulbesuch ist dann zweitrangig. Hinzu kommen weite Schulwege und verpflichtende Schuluniformen und Schulmaterialien, die arme Familien sich nicht leisten können.”

NPH hilft seit über 60 Jahren mit nachhaltigen Bildungsprogrammen

 

Bei NPH absolvieren alle Kinder eine staatlich zertifizierte handwerklich e Ausbildung, um bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu haben

Neben den mehr als 3.400 Kindern, die in den NPH-Kinderdörfern leben, besuchen rund 12.000 Mädchen und Buben die Bildungseinrichtungen von NPH und der Schwesterorganisation St. Luc. Die meisten der externen Kinder kommen aus armen Familien.

Teil der Ausbildung ist das Erlernen eines Handwerks in den NPH-Lehrwerkstätten. Die Werkstättenprogramme bieten qualifizierte und staatlich zertifizierte Abschlüsse, die in Handwerks- und Industriebetrieben anerkannt sind. Wolfgang Martinek: “Jugendliche und junge Erwachsene von NPH werden gerne eingestellt und haben höhere Chancen am Arbeitsmarkt, da sie sowohl eine handwerkliche als auch akademische Ausbildung mitbringen. Sie sind dadurch viel besser auf den schwierigen Arbeitsmarkt vorbereitet.”

Über NPH:

Das internationale Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos = Unsere kleinen Brüder und Schwestern) schenkt Waisen und in Not geratenen Kindern in neun Ländern Lateinamerikas ein neues Zuhause. Seit der Gründung 1954 sind mehr als 18.300 Kinder in den NPH-Kinderdörfern aufgewachsen, Spenden und Patenschaften sichern ihre Betreuung und Ausbildung. NPH Österreich ist mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet, Spenden sind von der Steuer absetzbar.

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