NPH Österreich: Drei Jahre nach dem Erdbeben in Haiti erste Verbesserungen

Kinder aus dem NPH-Babyhaus St. Anne in Haiti.
Kinder aus dem NPH-Babyhaus St. Anne in Haiti.

Drei Jahre nach dem schweren Erdbeben in Haiti hat sich die Situation gebessert, doch die Spuren der Verwüstung sind noch sichtbar. Erneute Naturkatastrophen werfen das Land immer wieder zurück.
Wien/Port-au-Prince, 10. Jänner 2012 – Das Erdbeben in Haiti vor drei Jahren dauerte nur 35 Sekunden. Doch diese kurze Zeit reichte aus, um mehr als 220.000 Menschen das Leben zu nehmen und 1,5 Millionen Menschen obdachlos zu machen.
Drei Jahre danach hat sich die Lage in Haiti stabilisiert, aber noch haben Hilfsorganisationen wie das Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos = Unsere kleinen Brüder und Schwestern) alle Hände voll zu tun. Die Hurrikans Isaac und Sandy und der erneute Choleraanstieg nach den heftigen Regenfällen durch Sandy im Oktober 2012 erschweren die Entwicklung des Landes und machen bisherige Erfolge zunichte.

Haiti war schon vor der Naturkatastrophe eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Es ist schon ironisch, dass Haiti in einem Gebiet liegt, dass für Millionen Touristen als tropisches Paradies gilt. Wenn man sich die Lebensrealität der Menschen in diesem Land ansieht, so ist diese alles andere als paradiesisch: 80 Prozent der haitianischen Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar pro Tag, mindestens ein Fünftel der Bevölkerung ist unterernährt und weniger als die Hälfte der Kinder gehen zur Schule.

Neue NPH-Projekte nach dem Erdbeben

Das schwere Erdbeben am 12. Jänner 2010 stellte NPH vor neue und gewaltige Herausforderungen. In den ersten Wochen standen die medizinische Nothilfe und die Hilfe für obdachlos gewordene Menschen und auf sich allein gestellte Kinder im Vordergrund. Schnell wurde das Nothilfeprogramm „Angels of Light“ ins Leben gerufen, um die Kinder, die nach dem Erdbeben ihre Eltern verloren hatten, im Kinderschutzcamp „St. Louis“ unterzubringen. Fast die Hälfte der Einwohner von Port-au-Prince sind Kinder – sie sind die verletzlichsten Opfer. Vor kurzem wurde auf dem Gelände des Kinderschutzcamps das Babyhaus „St. Anne“ gebaut, in dem 40 Kleinkinder untergebracht sind. Weitere 140 Kinder zwischen sieben und 14 Jahren haben ihr Zuhause in „St. Louis“.

Um die Arbeit von NPH zu würdigen und aus Anlass des dritten Jahrestages des Erdbebens besucht heute, am 10. Jänner 2013, Sophia Martelly, Gattin des haitianischen Staatspräsidenten Michel Martelly, das NPH-Kinderkrankenhaus „St. Damien“. Inzwischen scheinen auch die Ansätze des Präsidenten erste Früchte zu tragen, der die Wirtschaft und das Ansehen von Haiti stärken und den Menschen Zuversicht vermitteln möchte.

Bekämpfung der Cholera als wichtiges Ziel

Seit dem Ausbruch der Cholera im Jahr 2010 sind fast 8.000 Kinder und Erwachsene an der bakteriellen Infektionskrankheit gestorben. Mehr als 600.000 Haitianer waren infiziert. Zum Anstieg der Cholerazahlen haben die beiden Hurrikans Isaac und Sandy beigetragen, die im vergangenen Jahr über Haiti hinwegfegten. Durch die heftigen Regenfälle kam es zu Überschwemmungen, wodurch das Cholerabakterium sich ausbreiten konnte. Zur Verbreitung trägt auch mangelnde Hygiene bei. In Haiti haben nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser und nur 20 Prozent können sanitäre Anlagen nutzen.

Das Engagement von Organisationen wie NPH, die dauerhaft im Land sind, ist für die Bekämpfung der Cholera besonders wichtig, da viele Nichtregierungsorganisationen, die nach dem Erbeben Nothilfe leisteten, das Land inzwischen wieder verlassen haben. In der NPH-Choleraklinik behandeln die Ärzte monatlich 2.500 Erwachsene und Kinder.

2013: Ein Jahr großer Herausforderungen

Große Herausforderungen warten im Jahr 2013 auf NPH: Die Fertigstellung einer Brunnenanlage in Tabarre, die Einrichtung einer Photovoltaikanlage für das Kinderkrankenhaus „St. Damien“, um es mit kostsparendem Solarstrom zu versorgen und der Bau eines Kindergartens im NPH-Kinderschutzcamp in Port-au-Prince. Außerdem ist derzeit ein Experte der Geologischen Bundesanstalt in Wien (GBA) im NPH-Kinderdorf in Kenscoff im Einsatz, um zu überprüfen, ob auf dem Gelände des Kinderdorfes ein Brunnen für die Trinkwasserversorgung gebohrt werden kann.

NPH Haiti: Gründung auf Bitte von Mutter Teresa

Das erste Kinderdorf von NPH in Haiti, St. Hélène, wurde auf Bitten von Mutter Teresa im Jahr 1987 gegründet. 400 Kinder leben heute dort. In den weiteren Jahrzehnten folgte die Errichtung von Krankenhäusern, eines davon ist das NPH-Kinderkrankenhaus „St. Damien“ in Tabarre, einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince, welches heute zu den führenden medizinischen Einrichtungen in Haiti zählt. Schulen und Ausbildungswerkstätten, die von NPH gebaut wurden, ermöglichen den Kindern von Haiti eine bessere Zukunft durch Bildung.
Mit dem Hilfsprogramm „St. Luke“ unterstützt NPH rund eine viertel Million Kinder und Erwachsene in den Armenvierteln von Port-au-Prince mit Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung.