Mexiko: Den Übergang ins Leben schaffen

Mit seinen zwei Metern überragt er alle anderen Jugendlichen im Kinderdorf „Casa San Salvador“ von NPH in Mexiko. Seine Größe lässt ihn ein wenig unnahbar erscheinen. Doch nur auf den ersten Blick. Sobald Carlos zu sprechen anfängt, merkt man, was für ein höflicher und lieber Kerl er doch ist. Mit 14 Jahren nahm er all seinen Mut zusammen und riss von seinem gewalttätigen Zuhause aus. Er hatte das Glück, dass eine alte Frau ihn zu  NPH Mexiko brachte. Carlos genoss es von Anfang an, mit all den Kindern zusammen zu sein, Fußball zu spielen und zur Schule zu gehen. Da er jedoch dort mit den Gleichaltrigen nicht mithalten konnte, kam er in eine Förderklasse. Nach der Realschule kamen seine Lehrer zu dem Entschluss, dass es für ihn keinen Sinn macht, länger zur Schule zu gehen. So bekam Carlos einen Platz in unserem „Life Transition“-Programm.

Carlos, ein Teilnehmer des "Life-Transation"-Programms
Carlos, ein Teilnehmer des „Life-Transation“-Programms

Das „Life Transition“-Programm wurde vor sieben Jahren ins Leben gerufen und speziell für Jugendliche konzipiert, die keinen High School-Abschluss haben. Momentan nehmen acht Jungen und sieben Mädchen daran teil, die alle über 18 Jahre alt sind. In Zukunft sollen auch jüngere Jugendliche aus dem Sonderpädagogikbereich integriert werden. Das Programm dauert ein bis eineinhalb Jahre und hilft den Teilnehmern dabei, den „Übergang“ vom behüteten Kinderdorf-Dasein in ein eigenständiges Leben in der Stadt besser zu bewältigen.

Gemeinsames Kochen der Jugendlichen
Gemeinsames Kochen der Jugendlichen

In diesem Zeitraum sollen die Jugendlichen in erster Linie Arbeit finden oder eine Ausbildung beginnen, damit sie später auf eigenen Beinen stehen. Zur Zeit machen fünf Teilnehmer einen Kochkurs, darunter auch Carlos. „Ich habe schon immer gerne gekocht, deshalb passt dieser Beruf gut zu mir“, erklärt der 22-Jährige. Neben der täglichen Versorgung aller Hausbewohner besucht er auch einen Kurs für „Internationale Küche und Gebäck“, damit er sich später einmal als Koch in einem Restaurant bewerben kann.

Drei weitere Jungen sind im Bereich Automechanik tätig, und ein Mädchen macht eine Ausbildung zur Krankenschwester. Einen Teil des Geldes, das sie dabei verdienen, sparen die Jugendlichen als Startkapital für ihre Zukunft und lernen so, mit ihren Einnahmen zu haushalten. Darüber hinaus betreiben sie einen kleinen Laden, in dem sie Bastelarbeiten und Sachspenden, die nicht benötigt werden, verkaufen.

In ihrer Freizeit machen die Jugendlichen viel Sport.
In ihrer Freizeit machen die Jugendlichen viel Sport.

Ein weiterer wichtiger Teil des Programms ist es, die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Dazu gehört, dass sie lernen, ihren Tagesablauf eigenständig zu strukturieren, Motivation zu fördern und Ziele zu definieren. Die Mitarbeiter von NPH unterstützen sie dabei, indem sie sie zum Beispiel zu Vorstellungsgesprächen begleiten, mit ihnen auf Zimmer-Suche gehen oder das Bezahlen von Rechnungen üben.

Die Jugendlichen helfen bei den Renovierungsarbeiten des Gebäudes.
Die Jugendlichen helfen bei den Renovierungsarbeiten des Gebäudes.

Die Jugendlichen wohnen alle zusammen im „Hotel Villa“, einem ehemaligen Hotel aus den 50er Jahren in der Nähe von Cuernavaca. Auch Direktor Francisco Zapata, seine Frau Nelly, ihre 3-jährigen Tochter Jimena sowie eine Freiwillige sind dort untergebracht. Das Gebäude ist stark renovierungsbedürftig und wird nun Schritt für Schritt saniert. Aufgrund der Dringlichkeit wurde zunächst die gesamte Elektrik neu verlegt. Auch die Jugendlichen helfen bei einfachen Arbeiten tatkräftig mit, wie zum Beispiel beim Streichen der Innen- und Außenwände. Auch hier fühlt sich Carlos in seinem Element. Nelly ist voll des Lobes für ihn: „Er ist ein so hilfsbereiter junger Kerl. Jeden Morgen, bevor er zu seinem Kochkurs geht, fragt er die Handwerker, ob es noch etwas zu tun gibt.“ Carlos ist dankbar, dass er bei NPH eine neue Familie gefunden hat.

„Ich hoffe, dass die Spender und Paten verstehen, wie sehr wir ihre Unterstützung brauchen und schätzen, denn ohne sie hätten Menschen wie ich keine Zukunft.“