Lateinamerika: Mehrheit der Menschen mit Behinderung ohne therapeutische Hilfe

Lateinamerika/Karibik/Wien, 12.2.2014: 66 Millionen Menschen oder 12 % der Bevölkerung in Lateinamerika und der Karibik leben mit mindestens einer Behinderung. Bei Kindern bis zu 14 Jahren sind es bis zu 10 %. Der Großteil der Menschen mit Behinderung kann sich weder eine medizinische noch eine therapeutische Versorgung (Physio- oder Ergotherapie) leisten, weil sie arbeitslos sind und kaum Aussichten auf eine Arbeitsstelle haben.

Armut ist der größte Treiber für Behinderungen: Laut Schätzungen der Weltbank sind 80 bis 90 % der Menschen mit Behinderung in Lateinamerika und der Karibik arbeitslos; rund 82 % leben unter der Armutsgrenze von $ 2 pro Tag. Damit verbunden kann sich die Mehrheit weder eine ausgewogene Ernährung, noch eine medizinische bzw. therapeutische Versorgung leisten. Vor allem bei werdenden Müttern führt die weit verbreitete Unterversorgung mit Mikronährstoffen wie beispielsweise Jod oder Folsäure oft zu Entwicklungsstörungen bzw. Schädigungen des zentralen Nervensystems des ungeborenen Kindes. So haben vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien eine erhöhte Chance, bereits mit einer Behinderung geboren zu werden oder an signifikanten Wachstums- bzw. Entwicklungsstörungen (kognitiv, sensorisch, sozial) zu leiden.

Ein Gesundheitssystem, aber nicht für alle: Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik haben in den letzten zwei Jahrzehnten die öffentlichen Sozialausgaben (in % des BIP) von insgesamt 12,3 % (1990) auf 18,4 % (2008) erhöht. Kinder und Erwachsene mit Behinderung profitieren von diesen Erhöhungen aber kaum: Sie sind staatlich schlecht bis gar nicht abgesichert und können sich armutsbedingt nicht privat versichern.

Unser Ziel: Menschen mit Therapie zu helfen und ihre Situation zu verbessern: Diesen Versorgungsmissstand versuchen wir von NPH mit unseren medizinischen Einrichtungen zu verringern. Gut ausgebildete TherapeutInnen (Physio-, Ergo-, Kunst-, Hippo-Therapie) helfen einerseits den Kindern mit Behinderung in unseren elf Kinderdörfern in neun Ländern Lateinamerikas und der Karibik. Aber auch Menschen rund um unsere Kinderdörfer versorgen wir mit kostenloser Therapie. Insgesamt wurden 2013 über 5.000 therapeutische Behandlungen durchgeführt.

Ausgewählte NPH-Projekte in Lateinamerika und der Karibik:

  • NPH Nicaragua: Samaritano – Therapieprogramm auf Ometepe im Nicaraguasee
    Rinaldo* bei der Therapie Zuhause.
    Rinaldo* bei der Therapie Zuhause.

    Mit unserem Samaritano-Projekt auf der Insel Ometepe (liegt inmitten des Nicaraguasees) konnten 2013 46 Kindern mit Physio- und Ergotherapie geholfen werden. Das Therapiezentrum wird von den beiden österreichischen Physio-/Ergotherapeutinnen Nadine Gulyas und Verena Hackl gegründet und geführt. Die häufigsten Diagnosen der Kinder sind Entwicklungsverzögerungen, Gehirnschädigungen, genetische Syndrome (Down-Syndrom), geistige Behinderung oder Lernschwierigkeiten.Nadine Gulyas: „Im Therapieraum haben wir Bänke, kleine Hilfsmittel für den Alltag, Therapiebälle, um die Muskeln zu aktivieren, die Gelenke zu mobilisieren und aktive (Auf-) Stehübungen zu trainieren. Bei unseren Hausbesuchen setzen wir Wurzeln, Baumstämme, Stufen, etc. für die Übungen ein. So können die Eltern lernen, wie sie ihr Kind auch zuhause fördern können.“ Mehr Infos: Factsheet Nicaragua

     

  • NPH Haiti: Therapie und Hilfe für Schlaganfall- und Erdbebenopfer
    Gena Heraty mit einem Kind aus Kay St. Germaine.
    Gena Heraty (links) mit einem Kind aus Kay St. Germaine.

    In Haiti verfügen wir über zwei ambulante Therapiezentren für Kinder und Erwachsene mit Behinderung: Kay St. Germaine und Kay Eliane. Gena Heraty, Leiterin: „In Haiti wird ein behindertes Kind entweder im Stich gelassen, weil man sich nicht darum kümmern kann; oder es wird – während man zur Arbeit geht – Zuhause eingeschlossen. Denn Einrichtungen für behinderte Kinder gibt es auf Haiti nicht“.Das Physiotherapie- und Rehabilitationszentrum Kay St. Germaine bietet behinderten Kindern kostenlose Therapie und Förderunterricht in behindertengerechten Klassenräumen. Schlaganfall-PatientInnen werden nachbehandelt und Opfer des Erdbebens 2010 mit Prothesen versorgt. Im Tagestherapiezentrum Kay Eliane erhalten Kinder Physiotherapie und Vorschulunterricht. 2013 besuchten 110 Kinder die Kay St. Germaine School. 800 Kinder und Erwachsene profitierten von unseren therapeutischen Hilfeleistungen in Kay St. Germaine und Kay Eliane. Mehr Infos: Factsheet Haiti


  • NPH Dominikanische Republik: Hippo-Therapie für mehr Beweglichkeit
    Der 12-jährige Leonardo* bei seiner ersten Reittherapie.
    Der 12-jährige Leonardo* bei seiner ersten Reittherapie.

    Bei NPH in der Dominikanischen Republik werden Kinder mit Behinderung durch Reittherapie gefördert. Diese Therapieform hat vielseitige positive physische und mentale Auswirkungen auf die Kinder: Verbesserung der Beweglichkeit durch einen höheren Muskeltonus (Spannung), der Balance, der taktilen Fähigkeiten (Tastsinn) und der Aufteilung von Prozessen auf die rechte und linke Gehirnhälfte (Lateralisation). Dies ist vor allem für Kinder mit zerebralen Lähmungserscheinungen wichtig. Darüber hinaus verbessert sich die Sozialkompetenz der Kin-der. Mehr als 20 Kinder haben diese Therapieform in der Dominikanischen Republik 2013 genutzt. Mehr Infos: Factsheet Dominikanische Republik

Weiterführendes Informations-Material

Quellen:

Multimedia-Dateien:

Rückfragehinweis:

Mag. Marlene Binder, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, NPH Österreich, 01/526 02 20 13, marlene.binder@nph.at

Über NPH Österreich:

Das internationale Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos = Unsere kleinen Brüder und Schwestern) schenkt Waisen und in Not geratenen Kindern in neun Ländern Lateinamerikas ein neues Zuhause. Seit der Gründung 1954 sind mehr als 18.000 Kinder in den NPH-Kinderdörfern aufgewachsen, Spenden und Patenschaften sichern ihre Betreuung und Ausbildung. NPH Österreich (www.nph.at) ist mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet, Spenden sind von der Steuer absetzbar. Spendenkonto Erste Bank: IBAN: AT85 2011 1822 4309 5500, BIC: GIBAATWWXXX Weiter Informationen unter: www.nph.at, www.facebook.com/nphoesterreich

* Namen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Kinder verändert.