Chile La Victoria Straßen

La Victoria – eine der ältesten Armensiedlungen Chiles

Alltag in Chile: Armut und Gewalt

La Victoria, Santiago de Chile. Die chilenische Hauptstadt gilt als Wirtschaftsmetropole. Doch kaum irgendwo sonst in Lateinamerika ist die Kluft zwischen Arm und Reich größer als in Chile. Hier befindet sich eine der ältesten Armensiedlungen Lateinamerikas – La Victoria.  Die Menschen in La Victoria gehören zu den Ärmsten der Armen in Chiles Hauptstadt. Doch sie sind stolz darauf, sich diesen Ort zum Leben selbst erkämpft zu haben.

Chile La Victoria Straßen

La Victoria – eine der ältesten Armensiedlungen Lateinamerikas

Vor über 60 Jahren kamen die Menschen in der Hoffnung auf Arbeit nach La Victoria. Sie besetzten das brachliegende Land im Süden der chilenischen Hauptstadt und folgten ihrem Traum von einem Ort zum Leben: Bergarbeiter und Taglöhner, Familienväter und -mütter, Menschen, die sich in Gewerkschaften engagiert hatten und wussten, wie man eine Gemeinschaft organisiert. Im Morgengrauen des 30. Oktober 1957 machten sich 1.400 wohnungslose Familien aus den Armensiedlungen im Norden von Santiago de Chile auf den Weg. Angetrieben von dem Bewusstsein, dass es ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben gibt, besetzten sie das Brachland im Sektor Chacra de Feria.

La Victoria wird geboren

Den Ort hatten sie sorgfältig ausgewählt: Er liegt in der Nähe des zentralen Großgrünmarktes und einer Textilfabrik, wo immer Arbeiterinnen und Arbeiter gesucht wurden. Hier nahmen sie sich Land und jede Familie sollte an diesem neuen Ort zum Leben den gleichen Anteil an Grund bekommen.

Anfangs schliefen sie im Schlamm unter Planen, errichteten nach und nach improvisierte Häuschen aus Holzbrettern und Wellblech – jede Familie auf 8 mal 16 Metern. Da war bereits klar, dass sich hier ein historisches Ereignis abspielt: Die Landnahme wurde von der Regierung akzeptiert. Alle Familien zahlten für ihr Stückchen Land. Und verbuchten es als einen Sieg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Ihre Siedlung nannten sie La Victoria.

Die Kinder leiden

Heute ist La Victoria ein rauer Ort, an dem unvorstellbare Zustände herrschen, unter denen vor allem die Kinder leiden: Innerfamiliäre Gewalt, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Kinderarbeit. Private Bildungsangebote sind unleistbar, öffentliche Schulen überfüllt und Kinderrechte werden ignoriert oder missachtet. Was einst ein Ort der Hoffnung war, ist heute ein hoffnungsloser Ort geworden.

Schwierige Integration

In La Victoria suchten auch Tausende Haitianer Zuflucht, die bei dem verheerenden Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 alles verloren hatten und nun wegen fehlender Integrationspolitik schwer ihren Platz in der Gesellschaft finden. Wurden die Migrantinnen und Migranten aus Haiti anfangs noch freundlich empfangen, nimmt die Solidarität ab, und die Ausländerfeindlichkeit steigt . Die menschenverachtende Brutalität gegenüber Geflüchteten aus Haiti hat vor allem damit zu tun, dass diese Menschen eine schwarze Hautfarbe haben, Kreol und eben nicht Spanisch sprechen und gegenüber diesem offenen Rassismus wehrlos sind.

Wir kümmern uns um die gefährdeten Kindern in La Victoria. Bitte helfen Sie uns dabei!