Kinderbetreuung in Honduras: Kleine Schritte – große Wirkung

Honduras im Jahr 2011: Die Finanzkrise und die politischen Unruhen haben das Land, das zu den ärmsten Lateinamerikas gehört, weiter geschwächt. In der Hauptstadt Tegucigalpa ist es schwerer denn je, einen Job zu finden. Besonders betroffen sind alleinerziehende Mütter. Ohne Betreuung für ihre Kinder können sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten. Unsere Kindertagesstätte „Pasos Pequenitos – Kleine Schritte“ ist mit 20 Kindern heute voll ausgelastet – ein Blick zurück auf fünf Jahre erfolgreiche Basisarbeit.

Nancy und Martin kümmern sich liebevoll um die Kleinen.
Nancy und Martin kümmern sich liebevoll um die Kleinen.

Als die Medizinerin Vera Dinkelacker 1993 für ein Freiwilligenjahr in das NPH-Kinderdorf „Rancho Santa Fé“ kam, betreute sie vor allem zehn bis 14-jährige Mädchen. Nach ihrem Einsatz verbrachte sie immer wieder ihren Urlaub in Honduras, um ihre ehemaligen Schützlinge im Kinderdorf zu besuchen. In Gesprächen mit den  jungen Frauen erfuhr sie, dass in ihrem Bekanntenkreis pro Jahr zwei bis drei Mädchen schwanger wurden.  Und nicht selten machen sich dann die jungen Väter aus dem Staub und lassen die Frauen mit ihren Babys allein zurück. Diese befinden sich oft mitten in einer Ausbildung, die sie dann abbrechen müssen. Für Vera Dinkelacker Grund genug, ein neues Projekt ins Leben zu rufen. Mit einer Kindertagesstätte wollte sie jungen Frauen helfen, ihre Kinder sicher untergebracht zu wissen, um somit weiter arbeiten zu können.

Sicherheit und Schutz für die kleinen werden groß geschrieben.
Sicherheit und Schutz für die Kleinen werden groß geschrieben.

Im Frühjahr 2005 erfolgte der Startschuss. Dafür wurde ein zweistöckiges Haus im Vorort Kennedy angemietet. Und am 19. November konnte schließlich die Kindertagesstätte „Pasos Pequenitos – Kleine Schritte“ eröffnet werden. Damals waren vier Kinder eingeschrieben – heute werden 20 im Alter von ein bis sechs Jahren betreut. Die Grundschulkinder können weiterhin im Hort zu Mittag essen und ihre Hausaufgaben machen.

Die Kinder erhalten regelmäßige Mahlzeiten.
Die Kinder erhalten regelmäßige Mahlzeiten.

Für die kleinen Kinder gibt es morgens ein Frühstück, mittags eine warme Mahlzeit und am Nachmittag einen Snack. Dafür sorgen die Leiterin Rosalina Osorto und zwei junge Frauen aus dem Kinderdorf, die ihr soziales Jahr absolvieren. Unterstützt werden sie von Nancy und Martin, einem jungen Paar aus Deutschland, das im März 2011 seinen Freiwilligendienst in der Kindertagesstätte begonnen hat. Die Kita ist von 6.30 bis 19.00 Uhr geöffnet, um den Müttern, die oft sehr lange Wege zu ihren Arbeitsstätten haben, flexible Abholzeiten zu ermöglichen. Der Tagesablauf unterscheidet sich nur wenig von dem einer deutschen Einrichtung. Neben dem freien Spiel stehen Aktivitäten wie Sport, Basteln, Spiele oder Musik auf dem Programm. Alle zwei Monate wird ein Ausflug gemacht.

Ursprünglich war die Idee, dass nur Frauen, die in den Kinderdörfern von NPH aufgewachsen sind, die Kita nutzen dürfen. Heute steht die Einrichtung allen offen, denn es soll denen geholfen werden, die die Hilfe am nötigsten haben. Für die Aufnahme gibt es drei Voraussetzungen: Die Mütter müssen bedürftig sein, alleinstehend und einen Job haben.

Um die Angaben der Frauen zu überprüfen, besuchen wir sie zu Hause und bitten sie um eine Arbeitsbestätigung. Natürlich wird bei Jobverlust eine Übergangszeit toleriert, damit die Kinder weiter zur Schule gehen können. Die meisten Mütter verdienen den staatlichen Mindestlohn von 210 Euro im Monat. Einige, die als Hausangestellte arbeiten, bekommen noch weniger. Dennoch wird von allen Müttern erwartet, dass sie den symbolischen Beitrag von 0,70 Euro pro Tag bezahlen. Dieser  deckt zwar bei weitem nicht die Kosten, soll aber das Verantwortungsbewusstsein der Mütter und ihre Bindung zur Kindertagesstätte stärken.

Darüber hinaus bietet „Pasos Pequenitos“ auch Orientierungshilfen für die Mütter an. So finden vierteljährlich an den arbeitsfreien Sonntagen Gesprächskreise und Fortbildungsseminare zu Themen wie Erziehung, Entwicklung oder Kinderkrankheiten statt. Aber auch das Thema Verhütung wird immer wieder angesprochen. Die Teilnahme ist für alle Frauen verpflichtend.