Jana und Johanna: Mein freiwilliges, soziales Jahr in Lateinamerika

Im NPH-Kinderdorf in Lateinamerika: Mein freiwilliges, soziales Jahr fernab der Heimat

Jana und Johanna absolvierten ein freiwilliges, soziales Jahr in einem NPH-Kinderdorf in Lateinamerika. Jana arbeitete als Physiotherapeutin im NPH-Kinderdorf in Nicaragua und Johanna als Ergotherapeutin im NPH-Kinderdorf in Honduras. Im Radiointerview mit Radio Latin Lounge – dem lateinamerikanischen Radioprogramm auf Radio Orange 94.0 – sprechen sie mit dem Moderatoren-Team Alcides Benavente Ponce und Roland Geppl darüber,

  • warum sie sich entschieden haben, ihr freiwilliges, soziales Jahr weit weg von der Heimat zu machen;
  • wie die Arbeit als Therapeutin in einem Kinderdorf von NPH aussieht;
  • wie sie sich in die fremde Kultur eingelebt haben;
  • warum die Hilfe für Kinder in Honduras und Nicaragua so wichtig ist und
  • welches Resümee die beiden nach ihrem freiwilligen, sozialen Jahr ziehen.

Unsere Patenverantwortliche Irene Delgado eröffnet das Interview mit einer Kurzvorstellung von NPH Österreich.

Über NPH Österreich:

Irene Delgado betreut NPH-Patinnen und -Paten.

Alcides: Was macht die Organisation?

Irene: NPH ist ein internationales Kinderhilfswerk, das Projekte und Kinder in Lateinamerika unterstützt. Wir arbeiten in neun Ländern (Mexiko, Haiti, Dominikanische Republik, Honduras, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Peru und Bolivien) und haben dort Kinderdörfer. Wir unterstützen über 3.000 Kinder und wir helfen über 100.000 Menschen außerhalb der Kinderdörfer. Wir von NPH behandeln diese Kinder und Erwachsenen kostenlos in unseren Krankenstationen, wir versorgen sie mit Lebensmitteln. Die Kinder dieser Familien können in unseren Schulen bzw. Lehrwerkstätten kostenlos einen Schul- bzw. Lehrabschluss erlangen.

Alcides: Wie lange gibt es die Organisation?

Irene: Seit 1954. Ich bin seit Mai 2018, also seit knapp drei Monaten, Teil der Organisation.

Alcides: Expandiert ihr in andere Länder?

Irene: Im Moment bleibt es bei den neun Ländern. Aber wir sind eine internationale Organisation und schließen das nicht aus.

Alcides: Was macht ihr, um eure Projekte auf die Beine zu stellen?

Irene: Bei uns gibt es die Möglichkeit, eine Patenschaft für ein Kind abzuschließen. Das macht den größten Teil unserer Spendeneinnahmen aus. Darüber hinaus haben wir auch Paten, die konkrete Projekte unterstützen. Und wir haben Volontäre, die ihr freiwilliges soziales Jahr in einem unserer Kinderdörfer machen. Ich bin für unsere Patinnen und Paten zuständig. Ihre Unterstützung ermöglicht, dass die Kinder ein Zuhause haben, medizinisch versorgt werden, regelmäßige gesunde Mahlzeiten haben und zur Schule gehen könnten.

Alcides: Wie promotet ihr eure Organisation und die Patenschaften?

Irene: Wir sind zum Beispiel heute hier im Radio, wo wir auf unsere Organisation aufmerksam machen wollen. Wir haben unsere Website www.nph.at, dort kann man alle Informationen über uns, über die Unterstützungsmöglichkeiten und unsere Projekte finden. Wir haben öfters Veranstaltungen bei uns. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel ein Ex-Patenkind aus Mexiko bei uns gehabt, die nach Wien gekommen ist, um ihre Geschichte zu erzählen. Es gibt jedes Jahr mehrere Veranstaltungen und wir sind außerdem auf Facebook, Twitter und Instagram zu finden.[/vc_column_text]

Jana – Physiotherapeutin im NPH-Kinderdorf in Nicaragua:

Jana im Einsatz bei einer ihrer Therapiestunden.

Alcides: Wie ging es dir in Nicaragua? Erzähl uns ein bisschen von deinen Erfahrungen.

Jana: Nicaragua hat mir sehr gut gefallen. Ich hab dort als Physiotherapeutin gearbeitet und es war eine tolle Erfahrung.

 

Alcides: Wie bist du darauf gekommen, zu dieser Organisation zu gehen? Was hat dich motiviert?

Jana: Ich wollte mit Kindern arbeiten und dadurch, dass es schwierig war für mich in Österreich etwas zu finden, habe ich mich nach Möglichkeiten im Ausland erkundigt. Der Dachverband für Physiotherapie, Physioaustria, hat mir verschiedene Links geschickt, wo NPH dabei war.

 

Alcides: Konntest du schon ein bisschen Spanisch davor oder hast du es dort gelernt?

Jana: Ich habe es dort gelernt. Es ist Voraussetzung, dass man Spanisch kann, bevor man ins Kinderdorf geht. Darum hab ich dort vor meinem Praktikum einen Intensivkurs gemacht. Indem ich es ständig gehört habe und sprechen musste, konnte ich es so am besten lernen.

 

Alcides: Wie waren die Erfahrungen mit den Kindern?

Jana: Jeder Volontär ist für ein Wohnhaus zuständig. Ich war zuständig für ein Bubenhaus zwischen neun und 13 Jahren, die so viel Energie gehabt haben. Sie haben mich jeden Tag beschäftigt mit Spielen, bei den Hausaufgaben helfen, … Man ist dort ziemlich eingedeckt mit Arbeit, wenn man neben dem Job als Physiotherapeutin, noch ein Wohnhaus mit elf Kindern mitbetreut. So sollen die Betreuer dort entlastet werden, denn jedes Wohnhaus hat einen oder zwei Betreuer, das kommt auf das Alter der Kinder an, die dafür zuständig sind, dass die täglichen Aufgaben erfüllt werden. Als Volontär hat man die Aufgabe, die Betreuer zu unterstützen und mit den Kindern zu spielen.

 

Alcides: Hattest du zu Beginn einen Kulturschock?

Jana: Ich hab weder beim Hinfahren noch beim Zurückkommen einen Kulturschock erlebt. Aber ich finde, die Menschen in Nicaragua sind viel positiver eingestellt. Sie lachen mehr, sie sind offener, sie reden viel. Was mich so beeindruckt hat, ist dass man in einen Bus zusammengequetscht mit hunderten Leuten stehen kann und es beschwert sich niemand, wenn sich noch jemand vorbeiquetscht.

 

Alcides: Du wolltest eigentlich länger bleiben. Was ist passiert, dass du zurück musstest?

Jana: Es gab und es gibt immer noch Unruhen. Seit Monaten gibt es dort Demonstrationen und Aufstände gegen die Regierung.

 

Alcides: Hast du das auch selbst mitbekommen und mitverfolgt?

Jana: Ja schon. Es ist so, dass die Kinder im Kinderdorf beschützt werden und wir als Mitarbeiter natürlich auch. Was sich für uns geändert hat, ist, dass wir das Kinderdorf nicht mehr an unseren freien Tagen verlassen durften, aus Sicherheitsgründen. Die, die von außerhalb zum Arbeiten kamen, haben jeden Tag einen gefährlichen Weg beschreiten müssen um an den Straßensperren vorbeizukommen und sind dann auch immer früher wieder gegangen, um noch vor den Unruhen zu Hause zu sein. Man bekommt eine gewisse Anspannung mit. Es war aber immer wichtig, dass wir im Dorf die Ruhe bewahren. Für die Kinder ging ja der Alltag ganz normal weiter, auch wenn eine Zeit lang dann keine Schule war, weil es für die Lehrer schwierig war anzureisen. Auch wenn Ferien sind geht das Programm ganz normal weiter mit Spielen, täglichen Arbeiten und Sonstigem. Es war auch wichtig, dass wir diese Normalität für die Kinder erhalten.

 

Alcides: Konntest du selbst auch viel mitnehmen von den Kindern und von Nicaragua?

Jana: Davor war ich sehr nervös, weil ich nicht wusste, ob ich mit Kindern, auf so engem Raum so intensiv zusammen leben kann. Aber ich bin ruhiger geworden. Wenn fünf Kinder jetzt gleichzeitig etwas wollen, dann weiß ich jetzt wie ich damit umgehen kann.

Johanna – Ergotherapeutin im NPH-Kinderdorf in Honduras:

Ergotherapeutin-Johanna-Böhm-bei-NPH-Honduras
Johanna bei einer ihrer Ergotherapie-Stunden im Kinderdorf.

Alcides: Du warst in Honduras als Ergotherapeutin. Was machen Ergotherapeuten?

Johanna: Ergotherapeuten helfen Menschen jeden Alters, im Alltag möglichst selbstständig zu sein. Im Kinderdorf hab ich Kindern geholfen, die Entwicklungsverzögerungen haben, die in der Schule Probleme haben, die beim Anziehen Probleme haben usw.  Psychomotorik ist ein Teil davon. Im Kinderdorf in Honduras gibt es auch Kinder mit körperlicher und geistiger Behinderung, mit denen ich Therapieeinheiten gemacht habe. Ein Teil meiner Arbeit waren die Therapien und der andere Teil war, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Ich war jeden Abend bei den Mädchen zwischen drei und sieben Jahren. Dort habe ich den Tías und Tíos beim Essen austeilen, beim Anziehen, Waschen, beim Schlafengehen geholfen.

 

Alcides: Wie viele Kinder hast du betreut?

Johanna: Im Kinderdorf in Honduras leben ca. 300 Kinder, von Baby bis zur 18-Jährigen. Außerhalb des Kinderdorfes, in der Stadt, leben auch noch ca. 200 Kinder. Im Kinderdorf kennt sich jeder, man ist eine große Familie und man lernt im Laufe von eineinhalb Jahren einfach alle kennen, auch wenn man nicht jeden Tag mit ihnen zusammen ist.

 

Alcides: Hattest du einen Kulturschock oder kamst du gleich mit allem klar?

Johanna: Ich hab schon ein bisschen gebraucht, um mich einzuleben. Auch beim Zurückkommen im Winter, musste ich mich erst wieder eingewöhnen.

 

Alcides: Hattest du auch Probleme mit Unruhen in Honduras?

Johanna: Am Ende meines Freiwilligendienstes war es auch unruhig, weil es im November Präsidentschaftswahlen gab. Da die politische Situation in Honduras schwierig ist, gab es auch einige Straßenkonflikte, Tote und viele Wochen, in denen die Lehrer nicht ins Kinderdorf konnten und wir als Freiwillige nicht in die Hauptstadt durften. Unser Ziel im NPH-Kinderdorf war es, dass die Kinder weiterhin ihren Alltag leben können. Sie werden aufgeklärt, vor allem die Älteren, denn sie bekommen ja mit, was los ist. Sie haben Kontakt zu Verwandten außerhalb und wollen wissen, ob die Oma ok ist. Es wird also darüber gesprochen, aber versucht, die Ruhe zu bewahren.

 

Roland: Im Standard gibt es einen Bericht darüber, dass jetzt mehr als 450 Kinder aus Honduras in den USA von den Eltern getrennt worden sind. Hast du davon auch etwas erfahren? Spricht man in Honduras darüber?

Johanna: Ich hab mitbekommen, dass viele Menschen aus Honduras noch immer diese Traumvorstellung vom Leben in den USA haben. Es gibt auch Kinder, die bei uns im Kinderdorf sind, weil die Eltern oder ein Elternteil den gefährlichen Weg über Guatemala und Mexiko auf sich genommen haben, um in die USA zu kommen.

Alcides: Das ist schrecklich, welches Trauma die Kinder haben müssen, wenn die Eltern nicht mehr zurückkommen. Aber ihr von NPH Österreich helft ihnen zum Glück mit eurer positiven Energie.

Alcides: Was konntest du mitnehmen?

Johanna: Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Vor allem habe ich viel Liebe mitgenommen. Liebe von den Kindern, den Menschen die dort arbeiten und aus den Freundschaften, die man dort schließt.

 

Alcides: Wie bist du zu NPH Österreich gekommen? Wie hast du davon erfahren?

Johanna: Tatsächlich auf Facebook. Ich hab meine Ergotherapieausbildung abgeschlossen und wollte in Lateinamerika Arbeitserfahrung sammeln. Auf Facebook hab ich dann von einer anderen Ergotherapeutin, die in Guatemala war, von NPH erfahren und mich dann eingelesen und beworben.

 

Alcides: Wie schnell geht die Bewerbung?

Johanna: Ich hab mich im Sommer beworben und bis zur finalen Entscheidung dauert es schon ein paar Monate. Bei der Bewerbung musste ich über mich erzählen und über meine Motivation, meine Erfahrungen. Anschließend wird man in das NPH-Österreich-Büro zu einem Interview eingeladen, wo man sich vorstellt und gleichzeitig alle Fragen rund um den Freiwilligeneinsatz beantwortet bekommt. Danach wird die Bewerbung an die Kinderdörfer ausgeschickt und erhält Rückmeldung wo man aufgenommen wird.

 

Alcides: Wie lange kann man maximal im Kinderdorf bleiben?

Johanna: Maximal zwei Jahre und mindestens zwölf oder 13 Monate. Es gibt also nur Langzeit-Freiwilligeneinsätze.

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