Die anhaltenden Demonstrationen wirken sich auch auf die Versorgungslage im NPH-Kinderdorf in Kenscoff und dem St. Damien-Kinderkrankenhaus aus.

Haitis Hauptstadt versinkt in einer Spirale der Gewalt

Wie sieht der Alltag für die NPH-Mitarbeiter in der von Protesten gebeutelten Hauptstadt Port-au-Prince aus? Die Lage ist prekär. Die Hauptstadt ist buchstäblich abgeschottet: Die Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Gas und Medikamenten ist auf offiziellem Weg zum Erliegen gekommen. Nur am Schwarzmarkt können die Einwohner kaufen, was sie zum Überleben brauchen – zu extrem hohen Preisen. Für die, die ohnehin von der Hand in den Mund leben, ist das nicht leistbar. Deshalb setzen wir von NPH alles daran, für die Ärmsten der Armen in Haiti da zu sein: mit unserem Krankenhaus St. Damien und mit unseren anderen Hilfseinrichtungen.

 

Die anhaltenden Demonstrationen wirken sich auch auf die Versorgungslage im NPH-Kinderdorf in Kenscoff und dem St. Damien-Kinderkrankenhaus aus.
Die anhaltenden Demonstrationen wirken sich auch auf die Versorgungslage für das NPH-Kinderdorf in Kenscoff und das St. Damien-Krankenhaus aus.

 

Ein ganz normaler Tag in Port-au-Prince – Proteste, Verletzte und Chaos

Einer unserer NPH-Haiti-Mitarbeiter berichtet:

Ich steige um 14 Uhr in einen Krankenwagen. Auch andere Mitarbeiter des NPH-Krankenhauses St. Damien fahren mit. Wir wollen sie in ihren Vierteln absetzen. Der Krankenwagen ist das einzige Verkehrsmittel, das von Demonstranten respektiert wird. Auf dem Rückweg sammeln wir andere Mitarbeiter und Verletzte ein.

 

Unser NPH-Krankenhaus St. Damien in Port-au-Prince: Anlaufstelle für viele verletzte Frauen und Kinder während der Unruhen.
Unser NPH-Krankenhaus St. Damien in Port-au-Prince: Anlaufstelle für Verletzte während der Unruhen.

 

Das NPH-Krankenhaus St. Damien in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince

Die Situation ist chaotisch. Es dauert nicht lange, bis wir die erste Straßensperre erreichen. Langsam fahren wir darauf zu. Alle halten den Atem an – doch wir werden ohne Probleme durchgelassen. Auf dem Weg zur nächsten Barrikade rennt uns eine Gruppe von etwa 250 Menschen entgegen. Sie geben uns Zeichen, es nicht weiter zu versuchen. Doch hinter der Sperrung müssen wir einen Teil des Personals absetzen.

 

Tränengas, Steine und Schüsse

Der Fahrer fährt langsam weiter, kurbelt die Scheibe herunter und spricht mit den Demonstranten. Sie erzählen, dass eine Auseinandersetzung zwischen der Polizei und Plünderern eskaliert ist. Die Polizei setzt Tränengas ein, es fliegen Steine, Schüsse fallen. Von welcher Seite, weiß niemand. Dann sehen auch wir die Absperrungen, die brennenden Reifen und eine Polizeieinheit. Auch die Polizisten sind vom Dauereinsatz müde. Schließlich schaffen wir es, alle Mitarbeiter heil abzusetzen und Neue wieder einzusammeln.

Trinkwasser bedeutet Überleben.

Trinkwasser ist schon immer Mangelware gewesen in Haiti. Aber jetzt ist es besonders schlimm. Um die Menschen in den Slums mit Trinkwasser zu versorgen, fahren unsere Rettungswagen und Lastwagen, so oft sie durch die Barrikaden kommen, in die Slums. Ein Haitianer sagt uns bei der Wasserausgabe:

„Ich dachte, Hunger wäre das Schrecklichste. Aber ich wäre jetzt lieber hungrig als so durstig.“

Unruhen in Haiti verhindern Wasserversorgung der Bevölkerung. Wir von NPH versorgen so viele Menschen wie möglich mit Wasser aus unseren Brunnen.
Die Menschen warten auf Wasserlieferungen. Wir von NPH organisieren so viele Transporte wie möglich.

 

Explosive Stimmung auf der Straße – Mary ist verletzt

Aber nicht alle Wagen haben so viel Glück. Ein anderer erreicht eine Barrikade, als die Polizei gerade einen Demonstranten erschossen hat. Die wütende Menge will, dass der Krankenwagen die Leiche mitnimmt. Der Wagen ist aber voll mit Personal, außerdem muss der Fall erst rechtlich untersucht werden. Die Stimmung unter den Menschen explodiert. Sie nehmen den Krankenwagen als Geisel, bis schließlich Demonstranten einen Schriftzug vom NPH-Krankenhaus erkennen und die Mitarbeiter im Wagen verteidigen.

Als der Wagen endlich weiterfahren kann, fliegen Steine. Die hintere Scheibe zersplittert, eine Mitarbeiterin wird schwer verletzt. Nun zählt jede Sekunde, denn jede neue Reaktion kann erneut das Leben aller Mitfahrenden in Gefahr bringen. Über Funk manövriert man den geschockten Fahrer aus dem Gefahrenbereich, um die Schwerverletzte ins nächste Krankenhaus zu bringen

 

Eine NPH-Mitarbeiterin wurde schwer verletzt. Mary, die Köchin, sorgte bisher dafür, dass alle kleinen und großen Patientinnen und Patienten mit Essen versorgt waren.
Mary bei der Arbeit im St. Damien-Krankenhaus.

 

Es hat Mary, die Köchin, getroffen. Sie kocht nicht nur für das Personal, sondern auch für die Kinder auf den Stationen. Ihr Können und ihre Liebe zu den Kindern sind von unschätzbarem Wert. Viele Eltern der kleinen Patienten sind so arm, dass sie kein Essen für ihre Kinder ins Krankenhaus bringen können. Im Laufe des Abends holt ein Krankenwagen die Schwerverletzte ab, um sie an einen sicheren Ort zu bringen, dem St.-Luc-Krankenhaus in Tabarre.

Dem Fahrer des getroffenen Krankenwagens legen wir nahe, ein paar Tage frei zu nehmen. Doch am nächsten Tag steht er morgens vor dem Krankenhaustor und sagt: „Es ist nicht die Zeit, um sich zurückzuziehen. Wir ziehen es gemeinsam durch.“

In solchen Momenten spüre ich ganz stark, dass wir nicht nur ein Mitarbeiter-Team sind, sondern eine Familie, die NPH-Familie.

Enorme Herausforderungen – wir brauchen Ihre Hilfe!

Seit über 30 Jahren setzen wir uns für die Ärmsten der Armen in Haiti ein. Wir erlebten das Erdbeben 2010 oder Hurrikans, die ganze Landstriche verwüsteten. Und nun stehen wir wieder vor enormen Herausforderungen. Um das Krankenhaus für Verletzte und die vielen kleinen Patientinnen und Patienten weiter offen zu halten, sind wir auf zusätzliche finanzielle Hilfe angewiesen. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende.


Die Menschen in Haiti brauchen Ihre Hilfe

Leben retten in Haiti

10,00 1.000,00 

Demonstranten im ganzen Land beschuldigen die Regierung, Hilfsgelder zum Wiederaufbau unterschlagen zu haben. Barrikaden stehen in Flammen und immer wieder fallen Schüsse.

Unser NPH-Krankenhaus bietet den Schwächsten Schutz: Die Zahl der Notfälle nimmt zu, die Kosten für Medikamente, Wasser und Lebensmittel sind dramatisch gestiegen; so dramatisch, dass wir Hilfe brauchen. Denn eines steht fest: Wir weisen niemanden ab, der dringend medizinische Hilfe braucht. 

670 Euro von 10 Unterstützerinnen bzw. Unterstützter bereits gespendet. 


Mit Ihrer Nothilfe-Spende können wir Kindern und ihren Eltern in Haiti schnell helfen und Leben retten! Bitte spenden Sie jetzt!

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Beschreibung

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt: Millionen Menschen leben in Armut. Schon seit Wochen demonstrieren die Menschen gegen die Regierung. Mindestens neun Menschen sind dabei ums Leben gekommen.  Täglich gehen hunderte Männer und Frauen auf die Straße: Die Landeswährung Gourde hat in den letzten Monaten derart an Wert verloren, dass sich die Menschen nicht mehr das Lebensnotwendige wie Reis, Brot oder Trinkwasser leisten können.

 

 

 

 

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