Erdbeben in Haiti, NPH hilft

Haiti: Katastrophale Zustände nach dem Erdbeben

Ein schweres Erdbeben traf Haiti am Samstag, dem 14. August 2021. Weite Teile im Süden des Landes sind zerstört, die Zahl der Toten und Verletzten steigt weiter an.

NPH hilft seit 34 Jahren in Haiti und kann den Erdbebenopfern direkt helfen!

NPH Haiti leistet Hilfe nach dem Erdbeben 2021
Das medizinische Team leistet Nothilfe direkt im Erdbebengebiet.

Am Samstag, den 14. August um 8:30 Uhr Ortszeit erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,2 auf der Richterskala den Süden Haitis. Das Epizentrum lag rund 130 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince und hat vor allem in den Regionen Jeremie und Les Cayes großen Schaden angerichtet.

Die Folgen sind dramatisch! Die Zahl der Todesopfer ist auf mehr als 2.200 gestiegen. Hunderte weitere Menschen werden vermisst, über 12.200 Menschen wurden verletzt. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen.

Das Erdbeben war auf der ganzen Insel zu spüren, Häuser und Gebäude stürzten innerhalb weniger Sekunden ein. „Die Angehörigen unserer Patientinnen und Patienten rannten voller Panik nach draußen und weigerten sich aus Angst vor Nachbeben, das Gebäude wieder zu betreten. Zu tief sitzt noch die Erinnerung an das Beben von 2010“, so Dr. Jacqueline Gautier, Leiterin unseres Kinderkrankenhauses St. Damien in Port-au-Prince.

SCHWERE SCHÄDEN

Die Schäden an der Infrastruktur in den am stärksten vom Erdbeben betroffenen Regionen sind enorm. Das Beben machte laut aktuellen Zahlen 30.000 Familien obdachlos. Mehr als 130.000 Häuser sind komplett eingestürzt oder beschädigt.

Darunter befinden sich zahlreiche öffentliche Gebäude, wie Krankenhäuser, Schulen, Hotels und Kirchen.  Einige Krankenhäuser mussten ihre Patient*innen evakuieren. Viele Einrichtungen sind überfordert, und es mangelt an medizinischer Ausrüstung und Medikamenten.

NPH Haiti Zerstörte Häuser nach Erdbeben
Mehr als 37.000 Häuser wurden durch das Erdbeben am 14. August in Les Cayes zerstört.

KATASTROPHALE ZUSTÄNDE

Für die Menschen im Süden von Haiti ist die Situation katastrophal. Verzweifelt haben sie mit Hilfe von Nachbarn und Hilfsteams in den Trümmern nach Angehörigen gesucht; sie sind auf der Suche nach Essen und Trinkwasser.

Die Szenen sind chaotisch, die Straßen voller Schutt der kaputten Gebäude. Auf dem Land sind einfache kleine Häuser und Hütten zusammengefallen, Selbstversorgergärten teilweise zerstört. Zu diesem großen Unglück gesellte sich am Dienstag ein zweites: Tropensturm Grace kam von der Dominikanischen Republik und brachte große Wassermassen mit sich.

Das erschwert den Bergungs- und Hilfsmannschaften die Arbeit. Und die Familien, die sich nach dem Beben in Zelten und provisorischen Unterkünften eine vorübergehende Bleibe geschaffen hatten, standen plötzlich sprichwörtlich im Regen. Grace hatte ihnen Zelte und Wellblech einfach fortgeblasen. Außerdem führen die Angst vor Nachbeben und das unbewältigte Trauma vom Erdbeben 2010 dazu, dass viele Menschen sich nicht mehr in Gebäude hineintrauen. Schutzlos verbringen sie die Nächte im Freien.

Der haitianische Zivilschutz sagt, dass in den betroffenen Gebieten 684.000 Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Nicht betroffen ist die Hauptstadt Port-au-Prince, wo die Schulen, medizinischen Einrichtungen und das Kinderdorf von NPH das Beben ohne Schaden überstanden haben. Dennoch gibt es enge Verbindungen und den Wunsch zu helfen.

NPH Kinderkrankenhaus bereitet sich auf Erdbebenopfer vor
Viele Verletzte warten auf ihre Behandlung, die Krankenhäuser sind voll und schlecht ausgestattet.

ERSTE HILFSMASSNAHMEN

Ein NPH-Nothilfe Team, welches in dieser Region im Außeneinsatz war, hat am Samstag sofort Hilfe in den umliegenden Gemeinden angeboten. Es versorgt nun im Krankenhaus St. Louis du Sud (Les Cayes) die schwerverletzten Opfer. Denn die Krankenhäuser sind völlig überlastet, es fehlt an allen Ecken und Enden.

„In den Krankenhäusern fehlt es an Platz und Ausstattung zur Versorgung der vielen Verletzen. Auch an medizinischem Personal und den einfachsten Verbrauchsgütern und Medikamenten. Die Lage in den Krankenhäusern war zuvor schon unzureichend. Jetzt sind die Kapazitäten völlig ausgeschöpft“, erläutert Sonja Smolka, Projektkoordinatorin von NPH Haiti.

Die medizinischen Einrichtungen von NPH in der Hauptstadt Port-au-Prince halten Bettenkapazitäten frei – Infrastruktur und Gebäude sind dort unbeschädigt geblieben – für die Notfallversorgung nach dem Erdbeben einerseits und für die Versorgung von Patientinnen und Patienten, die momentan im Erdbebengebiet keine ärztliche Versorgung finden. Zudem wird das Kinderkrankenhaus St. Damien ein medizinisches Team in die Erdbebenregion entsenden.

DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN

Wasser, Nahrungsmittel und Hygieneprodukte stehen ganz oben auf der Liste der benötigten Erstversorgung. Aber: Viele wichtige Straßen und Verkehrswege sind zerstört, die Straßen in Haiti sind im Normalfall schon häufig nur Schotter- oder Erdpisten. Das macht den Transport von Gütern und Menschen zu einer der größten Herausforderungen im Moment.

Trotzdem verschickt NPH dringend benötigte Hilfsgüter ins Erdbebengebiet – wenn notwendig mit Muskelkraft:

Zwei NPH-Nothilfe-Teams brachen am Sonntag von der Hauptstadt Port-au-Prince mit Hilfsgütern und Medikamenten in Richtung Erdbebengebiet auf. Weil ein Erdrutsch die Straße blockierte, konnten sie tatsächlich nicht selbst ins Katastrophengebiet fahren, aber die Güter zu Fuß über den zerstörten Straßenabschnitt bringen, wo Personal unserer Schwesterorganisation St. Luc diese in Empfang nahm. So kommen die Hilfsgüter rasch zu den betroffenen Menschen.

WIE SOLL ES WEITERGEHEN?

Und wie soll es weitergehen?

Und wie soll es weitergehen? Pater Rick Frechette, der Gründer von NPH-Haiti, kennt die Wünsche der Familien und die Situation im ländlichen Raum genau. „Ich spreche laufend mit den Menschen. Was sich die betroffenen Familien jetzt am dringendsten wünschen, ist ein Dach über dem Kopf. Unsere Bemühungen sind zielgerichtet und auf lokale Bedürfnisse abgestimmt“, sagt er. „Wir wollen verhindern, dass in Haiti weitere Zeltstädte entstehen, die sich nach und nach zu Elendsvierteln entwickeln. Deshalb stehen wir jetzt schon in Kontakt mit den Familien abseits der Städte, wo nach und nach Hilfe ankommen wird“, erklärt Pater Rick. Und weiter: „Wir wollen mit lokalen Materialien und gemeinsam mit den Communities möglichst direkt und unkompliziert helfen.“ Mindestens 150 Familien können auf diese Weise rasch wieder in den eigenen vier Wänden leben.

Warum sorgen die Helferinnen und Helfer vor allem für Familien im ländlichen Raum? In der Stadt erhalten die Betroffenen relativ schnell und gut Hilfe von Wohltätigen Organisationen und Krisenteams. Auf dem Land jedoch ist das Hilfsnetzwerk weniger gut. Die Menschen hier sind auf sich allein gestellt und brauchen umso dringender das lokale Know-How von NPH.

GEPLANTE NOTHILFE MASSNAHMEN IN HAITI

NPH arbeitet seit 34 Jahren in Haiti und hat bereits bei einigen Katastrophen wie dem verheerenden Erdbeben 2010 Nothilfe geleistet. Wir kennen Land und Leute und damit nationale und kulturelle Besonderheiten, wir stimmen uns mit Behörden und anderen Hilfsorganisationen ab.

Unsere Nothilfe-Maßnahmen nach dem Beben: 

  • Medizinische Versorgung
  • Nothilfepakete mit Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und Hygieneartikeln
  • Wiederaufbau

Bitte helfen Sie Kindern und ihren Familien, die beim Erdbeben alles verloren haben!