Haiti-Erdbeben: NPH verbessert Lebenssituation für über 450.000 HaitianerInnen.

Politische Unruhen lassen den Karibikstaat jedoch nicht zur Ruhe kommen.
Port-au-Prince/Wien, 8.1.2015 … Am kommenden Montag, 12. Januar 2015, jährt sich das verheerende Erdbeben von Haiti zum fünften Mal. Mehr als 220.000 Menschen verloren dabei ihr Leben; 2,1 Millionen wurden obdachlos. Fünf Jahre später hat sich für die Haitianer nur wenig zum Guten gewendet. Das Kinderhilfswerk NPH hilft mit Lebensmitteln, Medizin, Ausbildung sowie Häuserbau; doch die politischen Unruhen hemmen die Fortschritte des Landes.

Fünf Jahre nach dem Erdbeben leben 80 Prozent der Bevölkerung in Haiti in Armut. © NPH
Fünf Jahre nach dem Erdbeben leben 80 Prozent der Bevölkerung in Haiti in Armut. © NPH

Wolfgang Martinek, Geschäftsführer NPH Österreich: „Die Regierung in Haiti hat seit dem Erdbeben viele kleine Fortschritte im Wiederaufbau erzielt. Im letzten Oktober verschob Präsident Martelly aber die seit drei Jahren fälligen Parlaments- und Regionalwahlen auf unbestimmte Zeit. Das hat in der Bevölkerung großen Unmut ausgelöst. In den letzten Monaten haben wir zahlreiche gewalttätige Proteste in Haiti gesehen.“

Der Grund für diese Unruhen ist, dass sich Regierung und Opposition weder auf den Wahltermin noch auf die Zusammensetzung des Wahlrates einigen können. Inzwischen wurde eine Kommission eingesetzt, die die Entlassung der derzeitigen Regierung, der aktuellen Wahlkommission und der wichtigsten Justizvertreter vorschlägt. Nun muss das Parlament diese Vorschläge ratifizieren. Falls dies nicht geschieht, wird Präsident Martelly ab Mitte Januar auf unbestimmte Zeit per Dekret weiterregieren.

 

 

 

 

Fünf Jahre nach dem Erdbeben leben 80 Prozent der Bevölkerung in Armut

Seit dem Erdbeben konnten wir 365.000 Menschen medizinisch helfen. © NPH
Seit dem Erdbeben konnten wir 365.000 Menschen medizinisch helfen. © NPH

Diese Probleme prägen das Bild von Haiti:

  • 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut.
  • Die Hälfte der HaitianerInnen muss Hunger leiden.
  • Mehr als 40 Prozent der Menschen sind arbeitslos.
  • Nur jede/r Zweite in Haiti kann lesen und schreiben und nur rund zwei Prozent der Jugendlichen schließen die Sekundärschule ab.
  • Der Großteil der HaitianerInnen hat weder Zugang zu sauberem Wasser noch zu medizinischer Versorgung.

Die weiterhin dramatische Lage macht die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen wie NPH (Nuestros Pequeños Hermanos) so wichtig. NPH engagiert sich seit 1987 in dem Karibikstaat und hatte schon vor dem Erdbeben zahlreiche Projekte und Programme aufgebaut.

Täglich profitieren 30.000 Menschen von unseren Wasserlieferungen. © NPH
Täglich profitieren 30.000 Menschen von unseren Wasserlieferungen. © NPH

Überblick Hilfeleistungen von NPH seit dem Erdbeben:

Seit dem Erdbeben konnte NPH den HaitianerInnen durch folgende Leistungen helfen:

  • Aufnahme von Kindern, die durch das Erdbeben zu Waisen geworden sind, in unsere zwei Kinderdörfer St. Hélène und St. Luis. St. Luis wurde nach dem Erdbeben aufgrund der hohen Anzahl der verwaisten Kinder erbaut. In den beiden Kinderdörfern leben 828 Kinder.
  • Krankenhaus St. Damien: Seit dem Erdbeben konnte 365.000 Menschen medizinisch geholfen werden. Das 120-Betten-Kinderspital verfügt über eine Notaufnahme und eine Intensivstation. Mehr als 50 Prozent der Kinder kommen wegen infektiöser Erkrankungen wie Tuberkulose, Malaria oder HIV. Auf der Kinderkrebsstation – der einzigen in ganz Haiti – werden Kinder mit Krebserkrankungen medizinisch auf höchstem Niveau behandelt.
  • Über 40.000 Kinder aus Armenvierteln erhalten in 28 NPH-Straßenschulen eine fundierte Schulbildung.
  • Häuserbau: Gemeinsam mit der Partnerstiftung St. Luke erbaute NPH Wohnhäuser für 256 Familien in Cité Soleil (einem der größten und dicht besiedelten Slum in Port-au-Prince).
  • Wasserversorgung – 30.000 Menschen profitieren täglich: Durch katastrophale Hygienebedingungen und verunreinigtes Trinkwasser erkrankt ein Großteil der Menschen an Cholera oder anderen Infektionskrankheiten. Zur langfristigen Versorgung mit sauberem Trinkwasser hat NPH eine moderne Wasserstation gebaut, die Wasser in bester Qualität liefert. Zweier-Teams fahren bis zu sechs Mal täglich mit zwei Wasser-LKWs in die Armenviertel. Sie verteilen rund 80.000 Liter Wasser pro Tag – eine fünfköpfige Familie bekommt rund zehn Liter pro Tag. Täglich profitieren über 30.000 Menschen von den Wasserlieferungen von NPH.
  • Cholera-Behandlung: Gemeinsam mit der Partnerstiftung St. Luke wurden über 41.000 Menschen von der Cholera geheilt. Durch stationäre sowie mobile Krankenstationen hilft NPH den Menschen in den Zeltstädten und Slums. Cholera ist jedoch immer noch eine ernst zu nehmende Krankheit in Haiti.

Haitis Herausforderungen für die Zukunft

Richard Frechette, Leiter unserer Hilfsleistungen in Haiti, sieht die Schaffung von Arbeitsplätzen als größte Herausforderung für die Zukunft Haitis. © NPH
Richard Frechette, Leiter unserer Hilfsleistungen in Haiti, sieht die Schaffung von Arbeitsplätzen als größte Herausforderung für die Zukunft Haitis. © NPH

Als eine der größten Herausforderungen für die Zukunft beschreibt Richard Frechette (rechts im Bild), Leiter der NPH-Einrichtungen und der St. Luke-Stiftung in Haiti, die Schaffung von Arbeitsplätzen: „Die Menschen hier haben keine Angst vor Arbeit, im Gegenteil, sie suchen verzweifelt danach. Und das ist wahrscheinlich die wichtigste Ressource des Landes und auch für uns.“

NPH Haiti und die St. Luke-Stiftung beschäftigen mehr als 1.600 haitianische MitarbeiterInnen, die sich um Weiterentwicklung der Projekte und Programme kümmern. Doch die instabilen politischen Verhältnisse schrecken internationale Investoren ab, die Geld für den Aufbau von Fabriken einbringen und so die Wirtschaft stärken könnten. Ohne eine funktionierende Wirtschaft ist die Schaffung von Arbeitsplätzen jedoch unmöglich. Deshalb wird Haiti im Jahr 2015 das erste Milleniumsziel (Bekämpfung von Armut und Hunger) mit größter Wahrscheinlichkeit nicht erreichen.