NPH-Präsident Reinhard Köhler mit Emanuel. © NPH Österreich

Emanuel – Glaube und Hoffnung an die Menschen

NPH-Präsident Reinhart Köhler erzählt von seinem ersten Treffen mit dem zweijährigen Emanuel in Honduras. Der kleine Bub musste eine harte Zeit und unsagbare Schmerzen vor NPH durchstehen.

Lieber Wolfgang,

ich schicke Dir ganz herzliche Weihnachtsgrüße aus Honduras! Wie Du weißt, arbeite ich seit 34 Jahren hier im NPH-Kinderdorf. Obwohl ich schon viel gesehen habe, gibt es immer wieder Erlebnisse, die mich ganz besonders berühren. Dazu gehört auch die Geschichte von Emanuel, die ich Dir erzählen möchte:

NPH-Präsident Reinhard Köhler mit Emanuel. © NPH Österreich
NPH-Präsident Reinhard Köhler mit Emanuel. © NPH Österreich

 

Vor einigen Monaten haben wir den zweijährigen Emanuel bei uns aufgenommen. Als ich ihn auf unserer Krankenstation besuchte, lag er reglos in seinem Bettchen. Sein Hinterteil war eine einzige offene Wunde, verursacht durch viel zu seltenes Windelwechseln und fehlende Pflege. Es muss ihm entsetzlich wehgetan haben, und trotzdem hat er nicht geweint. So etwas hatte ich nie zuvor erlebt, ich war verwundert.

 

„Er müsste doch aus vollem Hals vor Schmerzen schreien?”, fragte ich die Krankenschwester Iris. Iris sagte traurig: „Wahrscheinlich hat Emanuel zu Beginn wirklich viel geschrien. Als er aber gemerkt hat, dass sich niemand um ihn kümmert, hat er einfach damit aufgehört.“ Ich war sprachlos. Kennst Du das Gefühl, wenn es Dir das Herz zusammenschnürt? Genau das habe ich gespürt. Ein Kind, das von den Menschen, die es doch lieben sollten, so enttäuscht wurde, dass es keinen Ton mehr von sich gibt …

 

Was Emanuel aber noch mehr zu schaffen machte als seine Schmerzen, war seine Angst vor dem Verlassen werden: Sobald Iris sein Zimmer verließ, begann er bitterlich zu weinen und konnte sich kaum beruhigen. Emanuels Angst, schon wieder verlassen zu werden, war zu groß!

 

Doch langsam vertraute er darauf, dass wir uns um ihn kümmern. Nach etwa sechs Wochen konnten die Krankenschwestern sein Zimmer verlassen, ohne dass Emanuel gleich in Panik ausbrach. Er spielte im Vertrauen darauf, dass seine Betreuerin wieder zurückkommen würde, einfach weiter! Für uns war das ein kleines Wunder: Nach all dem, was der kleine Bub durchlebt hatte, konnte er wieder Vertrauen in andere Menschen fassen!

 

Emanuel heute - ihm geht es gut und er ist ein glücklicher kleiner Bub. © NPH Österreich
Emanuel heute – ihm geht es gut und er ist ein glücklicher kleiner Bub. © NPH Österreich

 

 

Lieber Wolfgang, gerade jetzt zu Weihnachten wünsche ich uns allen die Kraft Emanuels, Freundschaft, Glaube und Hoffnung an die Menschen zu bewahren und das Gute in allen Menschen zu sehen!

 

Dir wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest,

Dein

Reinhart

Bitte spenden Sie jetzt, damit Kinder wie Emanuel ein Leben ohne Schmerzen und Angst führen können.

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