Corona in Lateinamerika

Die Ruhe vor dem Sturm?

In Windeseile hat sich das Coronavirus über nahezu alle Länder der Erde ausgebreitet. Nach dem ersten Ausbruch in China Anfang des Jahres 2020 wurden wenige Wochen später die europäischen Länder Ziel der oft tödlichen Ansteckung. Nur wenig später erreichte das Virus die USA, und nun ist es dabei, sich rasch in den wenig entwickelten Ländern Afrikas und Lateinamerikas auszubreiten.

Die meisten unserer lateinamerikanischen Projektländer sind noch weniger auf eine Pandemie dieser Größenordnung ausgerichtet als die europäischen Länder. Deshalb wird befürchtet, dass es zu einer raschen Ausbreitung der Covid-19-Erkrankung und zu vielen Todesfällen kommen wird. In vielen Städten Lateinamerikas leben die Familien dicht gedrängt in winzigen Hütten und Baracken. Für ihren Broterwerb müssen die meisten Menschen auf die Straßen und auf die Märkte …

Die Volkswirtschaften in Lateinamerika werden heuer um 5,3 Prozent schrumpfen, wie die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) mitteilt. Ende 2020 werden 215 der 629 Millionen Lateinamerikaner*innen in Armut leben, mehr als 83 Millionen von ihnen in extremer Armut. Das berichtet „Blickpunkt Lateinamerika in diesem Artikel: https://blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/corona-erhoeht-in-lateinamerika-drastisch-die-armut/

Wie hat sich nun NPH in den neun Projektländern auf den Ausbruch der Pandemie vorbereitet? Für alle Länder gilt, dass die Kinderdörfer unter Quarantäne stehen, Besuche sind abgesagt, die Kinder und Jugendlichen bleiben im Kinderdorf, unser medizinisches Personal erlernt in Trainings den richtigen Umgang mit dem Coronavirus. Viele unserer Mitarbeiter*innen haben sich bereit erklärt, mit „ihren“ Kindern in Quarantäne zu bleiben.

 

Bolivien

In unserer Schneiderwerkstatt nähen unsere Mitarbeiter*innen tagtäglich neue Schutzmasken. Die Menschen in Bolivien, ja überhaupt in Lateinamerika, sind es gewohnt, zu improvisieren – wenn es an etwas fehlt, ergreifen sie schnell die Initiative. Vom 22. März an verhängte die bolivianische Regierung eine strenge Ausgangssperre, nur Lebensmittelkäufe und Arztbesuche waren möglich. Da auch die Schulen geschlossen sind, haben die Kinder und Jugendlichen mehr Zeit, um an den Fischteichen des Kinderdorfs mitzuhelfen oder endlich Tischtennis zu spielen.

Die älteren Jungen helfen, Fische für das Abendessen zu fangen.

 

Dominikanische Republik

Schon sehr früh tauchten in der Dominikanischen Republik die ersten bestätigten Corona-Infektionen auf. Daher waren unsere Kinder unter den ersten, die im häufigen Händewaschen geübt waren und alternative Formen der Begrüßung ausprobierten, denn natürlich ist Abstand halten ganz besonders wichtig. Viele Kinder machen sich große Sorgen um ihre Patinnen und Paten in Europa, denn die Nachrichten aus Italien, Spanien oder Frankreich verbreiten sich sehr schnell. Unser Psychologe ist mit den Kindern in Quarantäne und hat von früh bis spät ein offenes Ohr für die Anliegen der Kinder.

 

Die 14-jährige Ingrid sagt: “Wir werden das gemeinsam durchstehen”.

 

El Salvador

Auch in El Salvador gilt eine landesweite Quarantäne, seit dem 21. März. Unsere Ärztin Dr. Karla und zwei Krankenschwestern wohnen im Kinderdorf und sind vor allem damit beschäftigt, den Kindern die vielen Fragen zu beantworten: Wann macht die Schule wieder auf? Warum darf ich meine Freundin nicht mehr umarmen? Auch unsere Tios und Tias, also diejenigen, die unsere Kinder Tag und Nacht betreuen, haben viele Fragen. „Social distancing“ ist natürlich in einem lebensfrohen und herzlichen Land wie El Salvador ganz besonders schwierig einzuhalten.

 

“Ich hoffe, dass die auf nationaler Ebene ergriffenen Massnahmen die gewünschte Wirkung haben.”, sagt Dr. Karla Garcia Monterrosa aus El Salvador.

 

Guatemala

Spencer Cappelli, unser ehemaliger Communications Officer im Kinderdorf in Parramos, berichtet von seinen Erfahrungen bei der Rückkehr:

Haiti

Die Apotheke in unserem Kinderkrankenhaus St. Damien produziert schon die doppelte Menge an Desinfektionsmitteln, 240 Liter pro Woche; so können wir unsere kleinen Patient*innen und ihre Eltern schützen, aber natürlich auch unsere eigenen Mitarbeiter*innen. In unserem Spital St. Luke haben wir einen eigenen Bereich zu einer Isolierstation für Corona-Infizierte umgebaut. Bereits jetzt nutzen wir die Station, um Verdachtsfälle zu identifizieren, die mit Fieber und Husten zu uns kommen.

Seit dem 20. März brennt in unserer Krankenhauskapelle eine Kerze vor einer Ikone – als Zeichen der Anteilnahme für die Menschen jener Länder, die normalerweise NPH Haiti unterstützen, aber jetzt schwer von der Corona-Pandemie getroffen sind: Vor allem für Italien, Spanien, die USA und Frankreich, aber auch für Österreich, Deutschland und die Schweiz.

In ganz Haiti gibt es nur 200 Intensivbetten, davon stehen einige auf unserem NPH-Gelände. Da wir nur über vier Beatmungsgeräte verfügen, ähnlich wie die anderen Spitäler in Haiti, hoffen wir auf einen langsamen Verlauf der Corona-Infektionen.

Die St. Damien-Unterernährungsstation wird in eine Coronavirus-Station umgewandelt.

 

Honduras

Einen authentischen Einblick in die derzeitige Situation bei NPH Honduras gibt Steve O’Mahony (in Englisch), unser Kinderdorfleiter in Honduras:

Mexiko

Unser Kinderdorfleiter Rafael Bermudez hat ein Video produziert, in dem er (in Englisch) über den aktuellen Status bei NPH Mexiko berichtet – Sie finden das Video hier:

Nicaragua

Auch hier ist unsere Schneiderwerkstatt im Vollbetrieb, Tag für Tag nähen wir Schutzmasken für unsere Kinder und unsere Angestellten, über 250 sind es schon. Die gründliche Reinigung und Desinfektion von Klassenzimmern, Schreibtischen, Badezimmern und Fenstern ist intensiver geworden, ebenso die Reinigung von Gängen und Gartenbereichen.

So wie in allen Kinderdörfern hängen an und in jedem Haus Plakate, die auf die wichtigsten Verhaltensweisen zur Vermeidung einer Infektion aufmerksam machen: Abstand halten und Körperkontakt vermeiden ist genauso wichtig wie das regelmäßige Händewaschen.

 

In der Werkstatt von NPH Nicaragua werden 250 Gesichtsmasken für die Mitarbeiter hergestellt.

 

Peru

Gegenwärtig sind in Peru See-, Luft- und Transportwesen gesperrt. Am 16. März schloss das Land seine Grenzen und verhängte eine strenge Quarantäne, die es den Menschen nur erlaubte, ihre Häuser für lebensnotwendige Aktivitäten wie Lebensmitteleinkäufe, den Gang zur Apotheke oder die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung zu verlassen. Darüber hinaus gilt eine Ausgangssperre von 20.00 Uhr bis 6.00 Uhr, während der niemand seine Wohnung verlassen darf.

In Peru verfügen wir ebenfalls über eine eigene Werkstatt, in der Schutzmasken genäht werden. Einige Freiwillige sind ebenso im Kinderdorf geblieben wie ältere Jugendliche, die nun sehr bei der Betreuung der Kinder gefordert sind, denn auch in Peru sind alle Schulen geschlossen.

Quizspiele unterhalten unsere Kinder bei NPH Peru, während sie wegen COVID-19 in Quarantäne sind.